Urban Destruction: Südbahnhof Abrissparty
Warst du auch eine/r von den 3000 Party People, die sich am vergangenen Freitag so richtig vom bisher wichtigsten Bahnhof Wiens verabschiedet haben? Dann weißt du ja, wie unbeschreiblich es gewesen ist...
Wenn du aber nicht dort warst und trotzdem gerne wissen würdest, wie es war: ich war live mit dabei und werde denen unter euch, die nicht mehr rein gekommen sind, denen für die 18€ Eintritt einfach zu teuer war und denen, die keine Lust hatten, stundenlang in der eisigen Kälte zu warten, einen kurzen Einblick in dieses einmalige Event gewähren:
Freitag 18. Dezember, 2009.
Es war zirka halb elf, als wir aus der 18er Bim-Station Südbahnhof ausstiegen – meine Freunde und ich sind extra früher losgefahren, weil wir gehört hatten, dass es nur mehr wenige Karten an der Abendkassa gibt ( und nachdem die Karten aus dem Vorverkauf schon ausverkauft waren, bevor wir überhaupt wussten, dass es Karten im Vorverkauf gab ). Gegen die extremen Minusgrade hatten wir uns glücklicherweise gut gewappnet und trugen -Vorbild Zwiebel sei Dank! - alle mindestens fünf Gewandschichten.
Wir hatten eine lange Schlange erwartet und waren deshalb nicht wirklich überrascht von der gewaltigen Menschenansammlung vor den Toren des alten Südbahnhofs. Jedenfalls war ich nicht so überwältigt von den vielen Leuten, wie es in einigen Erzählungen im Internet beschrieben wird... Und auch die übertrieben langen Wartezeiten in der Eiseskälte blieben uns erspart. Anscheinend hatten wir an diesem Abend eine echte Glückssträhne erwischt, denn mit ein bisschen Geschick und von der sich langsam auch durch unsere fünf Schichten schleichenden Kälte angetrieben, mogelten wir uns zu Sechst (was man auch als Leistung ansehen muss, ich meine: zu Sechst! … ) durch die Menschenmasse und waren nach nicht viel mehr als zehn Minuten durch die Erste Absperrung gekommen, in der überhaupt mal entschieden wurde, ob man rein gelassen wurde. Ein paar Leute, die gleichzeitig mit uns rein gekommen waren, haben wir gefragt, wie lang sie warten haben müssen: für uns nicht zu fassende eineinhalb Stunden!
In der Eingangshalle war es nicht viel wärmer als draußen, aber was konnte man sich schon erwarten? Bei diesen riesigen Hallen! Meine Erinnerungen an den vor lauter Menschen wuselnden Südbahnof unter Tags, den Ansagen und den vielen bunten Geschäften, wichen nun dem neuen Bild: zwar noch immer viele Leute, aber ohne bunte Geschäfte, dafür mit viel Musik und guter Partystimmung! Nachdem ich mich kurz zurechtfinden musste in dieser neuen, alten Umgebung, hatten wir auch schon das Privileg in diesem Gebäude ein letztes mal Geld zu bezahlen...
Ehrlich gesagt, wäre ich gar nicht auf die Abrissparty gegangen, weil ich 18€ einfach übertrieben fand, aber dank meinen Freunden war ich doch dort und ich muss ernsthaft klarstellen: ich bereue und bereute es keine einzige Sekunde dort gewesen zu sein! Nachdem wir uns das etwas einfallslose, einfach nur neongelbe- Band ums Handgelenk gepickt hatten gings auch schon über die bewegungslosen Rolltreppen in den Halbstock und als hätte es das Schicksal so gewollt, waren wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort und sahnten alle eine kuschelweiche, stylische (im Skihaserl-Look gehaltene) Haube ab...
Und dann gings auch schon weiter: immer der Musik nach! Wir tanzten und redeten und genossen einfach den Abend und bekamen die Kälte gar nicht mehr mit, weil einfach zu gute Stimmung dafür war (und weil wir eine Skihaserlhaube hatten). Es war eine unvergessliche Nacht (die, die ekelhaften Dixi-Klo Erfahrungen im Halbstock an dem Abend locker wieder wett gemacht hat), der Südbahnhof wird allen Menschen, die diesen Freitag und Samstag erlebt haben immer in Erinnerung bleiben...
MegaCard-Scout Sophie Thiel
Foto: © Stefan Schiermeier

Kommentare