Südafrika - Ein Jahr nach der Fußball-WM

 

 

 

 

Knapp ein Jahr ist es nun schon her, dass Spanien das Endspiel gegen die Niederlande durch das entscheidende Tor von Andrés Iniesta in der 116. Minute gewann und somit erstmals in der spanischen Geschichte Fußballweltmeister wurde.

Doch was hat sich getan in diesem Jahr? Erlebte Südafrika wirklich den von vielen Menschen erwarteten Aufschwung der Wirtschaft, der Region, der medizinischen Versorgung und so weiter? Die Antwort darauf lautet ganz klar: NEIN!

Kosten und Gewinne
Vor Beginn der Vorbereitungen und Bauvorhaben für die Weltmeisterschaft wurden Gesamtkosten von 2 Milliarden Rand (ca. 200 Millionen Euro) erwartet. Doch bei der Endabrechnung wurde bekannt, dass es eine Steigerung der Kosten um ca. 2000 % auf ungefähr 40 Milliarden Rand (ca. 4 Milliarden Euro) gab. Diese Kosten wurden bezahlt durch Steuergelder der Südafrikanischen Republik. Am Ende steht Südafrika mit einem Verlust von sage und schreibe 33,6 Milliarden Rand (ca. 3,6 Milliarden Euro) da.

Südafrika zählt also ganz klar nicht zu den Gewinnern dieser WM. Doch wer sind die Gewinner? Zum einen sind es die Bauunternehmen und zum anderen FIFA.

Die Bauunternehmen machten Millionengewinne. Möglich wurde dies vor unter anderem durch die Ausbeutung der Arbeitskräfte. Noch vor der WM wurde gepriesen, dass die Arbeitskräfte eine faire Entlohnung erhalten würden, doch bereits bei Baubeginn wollte niemand mehr etwas davon wissen.

2500 Rand (ca. 250 Euro) pro Monat und Freikarten für die Gruppenphase bekamen die Bauarbeiter als Lohn für ihre harte, aber kaum geschätzte Arbeit. Viele von ihnen mussten unter kargen Bedingungen in Baucontainern neben den Stadien leben, da die Kosten für die tägliche Anreise in Summe fast so hoch wie der erhaltene Lohn gewesen wären. 130 000 Arbeitsplätze hat die Weltmeisterschaft geschaffen, doch ein Jahr danach sind bereits viele Tausende wieder ohne festen Arbeitsplatz.

Doch der größte Gewinner ist die FIFA. Insgesamt machte das Unternehmen einen steuerfreien Gewinn von ca. 2 Milliarden Euro. Eine Bedingung um den Zuschlag für eine FIFA-Fußballweltmeisterschaft zu erhalten ist die Steuerfreiheit ihrer Einnahmen. Doch gerade durch diesen Steuerausfall kommen viele Veranstalter erst in Zahlungsschwierigkeiten bzw. in die roten Zahlen. Die FIFA begründet dieses Vorgehen jedenfalls so, dass 90 % der Nachwuchsarbeit durch die Gewinne der Weltmeisterschaften bezahlt würde und nur durch die Steuerfreiheit könnte die Nachwuchsarbeit in der Form erhalten bleiben in der sie heute besteht.

Die Stadien
Viele der Stadien wurden extra für die WM neu- oder umgebaut. Doch heute leiden viele der Stadien unter Auslastungsproblemen. Beinahe kein einziges Stadion hat eine Mannschaft, die es als Heimstätte nützt, also ihrer jeweiligen Heimspiele dort austrägt. Somit stehen viele der Stadien den Großteil des Jahres leer. Gelegentlich findet ein Fußball- oder Rugbymatch bzw. ein wichtiges Spiel, wie z. B. ein Cupfinale in einem der Stadien statt, doch auch dann findet man nur einige wenige hundert Besucher darin. Manch eine VIP-Loge wird von Zeit zu Zeit als Location für eine Hochzeit oder eine Buchpräsentation genützt. Für manche Arenen mussten sogar ganze Gemeinden umgesiedelt werden und die Leute mussten währenddessen bei 35° Hitze in Schiffscontainern wohnen.

Die Entwicklung der Region
Eigentlich hat sich nicht viel getan, außer der jetzt um einiges höheren Staatsverschuldung Südafrikas, als noch vor der WM. Weder die Kriminalitätsrate noch die Arbeitslosigkeit (Schätzungen zu Folge zwischen 25 % und 40 %) sind gesunken. Die schwarzen Einwohner verdienen immer noch um das bis zu 8-fache weniger als die weißen Einwohner. Und viele der Menschen haben keinen oder nur einen sehr schlechten Schulabschluss. Der einzige Lichtblick ist, wie viele Menschen erzählen, dass sich die medizinische Versorgung und die Qualität der Krankenhäuser durch die WM stark gebessert haben. Doch in Anbetracht der investierten Mittel in Milliardenhöhe ist dies nur ein schwacher Trost. 

Fazit
Es ist nicht anders als im täglichen Leben. Es gibt Gewinner, doch leider sind es nicht die, die es bräuchten bzw. es sich verdient hätten. Und schon in drei Jahren ist auch die WM in Brasilien wieder Geschichte und es ist zu hoffen, dass der Nachbericht über die WM dort erfreulicher ausfällt als dieser.

MegaCard Scout Michael

Photos by Michael Toft Schmidt; Jim Sher; TblMnt; Sortica under cc licenses 2.5 oder neuer
 

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