Noche en blanco
Am Samstag den 11. September war in Madrid die Hölle los. So viele Leute hab ich noch nie in meinem Leben auf der Straße gesehen. Am Anfang war ich echt etwas überfordert, aber nach ein paar Minuten gewöhnt man sich daran. Grund für den Auflauf war die "Noche en blanco". Das ist eine Nacht, in der in der ganzen Stadt Kunstinterventionen im öffentlichen Raum stattfinden. Ich hab davon gleich an meinem ersten Tag in Spanien gehört und wollte natürlich unbedingt dabei sein, also bin ich mit zwei anderen Erasmusstudenten durch das nächtliche Madrid spaziert. Da das Motto der Nacht „das Spiel“ war, gab es riesige Rutschen, Schaukeln und die Möglichkeit auf der Straße Fußball zu spielen. Aber es wurde zum Beispiel auch von einem Kran eine Straßenlaterne verkehrt in der Luft gehalten und es gab mitten in der Stadt ein Becken mit Wasser und eine Insel aus Holz mit einer Bühne, wo Bands gespielt haben. Dort waren wir relativ lange, weil es echt voll angenehm war. Die meisten großen Straßen waren gesperrt und es war ein tolles Gefühl mal über die Gran Vía oder den Paseo del Prado zu gehen, wo sonst hunderte Autos in der Minute vorbeirasen. Ich war echt begeistert, dass so viele Menschen unterschiedlichsten Alters bis in die Morgenstunden unterwegs waren. Das einzige Nervige war dann der Heimweg. Es gibt zwar an und für sich Nachtbusse aber da ja viele Straßen gesperrt waren, mussten wir mal eine Stunde zu unserem Bus gehen und dann hab ich noch eine weitere Stunde nach Hause gebraucht.
Am Montag war dann meine erste Sprachkurseinheit. Ich bin mit sehr niedrigen Erwartungen hingegangen, da ich gedacht habe, dass der Kurs sicher überlaufen ist und bestimmt 50 Leute drinnen sitzen. Aber o Wunder, wir waren "nur" 23 Studenten und „la profesora“ war total nett und hat echt verständlich gesprochen. Der Sprachkurs war zwei Wochen lang jeden Tag vier Stunden, was sehr anstrengend aber auch sehr lehrreich war. Wir haben diskutiert, Grammatik geübt, Lernspiele gemacht und einmal auch einen Film gesehen, den wir allerdings ohne Untertitel nicht wirklich verstanden hätten, da er sehr umgangssprachlich war.
Obwohl ich nach vier Stunden Spanischkurs immer sehr müde gewesen bin, habe ich danach meistens noch was mit anderen Erasmusleuten gemacht. Einmal war ich mit Nikola und Simon, mit denen ich auch schon in der „Noche en blanco“ war, am Plaza de Castilla. Das ist das moderne Viertel von Madrid und hat mich an la Defense (Das Pendant aus Paris) erinnert. Besonders beeindruckt haben uns zwei Bürotürme, die sich schräg zueinander neigen.
An einem Abend habe ich dann das erste Treffen mit meinem spanischen Tutor gehabt. Das Tutor-System funktioniert so, dass wenn man das möchte, einem ein spanischer Student zugeteilt wird, der sich dann ein bisschen um einen kümmert, einem bei Fragen zum Wohnen, Studieren,... hilft, oder einfach nur mal was mit einem unternimmt. Ich teile mir meinen Tutor (Daniel) mit fünf Mädls, von denen drei auch Geschichte studieren. Wir sind in ein Lokal gegangen und haben uns mal alle kennen gelernt. Er hatte seine Freundin und noch ein paar Freunde von ihm mit, welche sich zwischen uns Erasmusleute gesetzt, sodass jeder wirklich mit einem Spanier sprechen konnte. Es war eigentlich das erste Mal, dass ich über mehrere Stunden mit Spaniern gequatscht habe und es hat super funktioniert. Dann haben wir auch ein paar Häppchen gegessen und die Spanier haben gemeint, dass wir unbedingt Oktopus kosten müssen. Jeder, der mich kennt, weiß dass ich sowas eigentlich gar nicht mag, nicht weils mir nicht schmeckt, sondern weil ich mich gar nicht erst kosten traue. Aber diesmal habe ich mich überwunden und mir hat der Oktopus sogar wirklich geschmeckt!!
Letzte Woche hab ich mich dann mal endlich zu meinem Institut begeben, das auf dem Unigelände, eher weit weg von der Metro, ist. Ich wollte ins Erasmusbüro und mich melden, dass ich da bin und fragen welche Dokumente sie von mir brauchen. Hier ist es nämlich so, dass jede Fakultät ihr eigenes Erasmusbüro hat. (In Wien gibt es ein zentrales Büro.) Ich bin also zur Information gegangen, die mit einer jungen und einer eher älteren Frau besetzt war und habe nach dem Büro gefragt. Die Junge hat sich sofort aus ihrem Sessel erhoben und wollte gerade zu einer Erklärung ansetzen, als die Ältere einfach "abajo" (was so viel wie „unten“ bedeutet) gemurrt hat. Die Junge hat mich dann verlegen angelächelt und sich wieder hingesetzt. Na gut, bin ich halt mal runter gegangen. Da waren lauter Schalter aber der, von dem ich noch am ehesten gedacht habe, dass er der Erasmusschalter sein könnte, war geschlossen. Also hab ich mal Studenten gefragt, die mich aber wieder nach oben verwiesen haben. Ich hab mich dann noch mal zu der Information gewagt und da war dann nur noch die ältere Frau da, die mich finster angeschaut hat und wie ich gefragt hab ob sie mir die Nummer des Zimmers aufschreiben kann (Ich war mir nämlich nicht sicher, ob der eine Schalter wirklich für mich bestimmt wäre, oder ob es nicht vielleicht ein wirkliches Büro gibt.) hat sie mich ungläubig angeschaut und gefragt "tres?" (=drei) und ich "si" und dann hat sie ein weißes Blatt Papier genommen und einfach einen Dreier draufgeschrieben. Da hab ich dann verstanden, warum sie mich für dumm hält aber ich hab halt angenommen, dass die Büros hier wie bei uns mit einer Zahlen-Buchstaben-Kombination benannt werden. Naja jedenfalls bin ich dann noch mal runter und bei dem Schalter stand wirklich 3 daneben aber er war immer noch geschlossen, obwohl ich innerhalb der angegebenen Öffnungszeiten da war. Gut, hab ich gedacht, dann geh ich vorm Sprachkurs noch in die Rechtsfakultätsmensa etwas essen. Aber das war dann auch eine blutige Enttäuschung: Das Fleisch war nämlich nicht ganz durch und die Pommes total ungesalzen und es gab keinen Salzstreuer. Dafür hat mich dann die Nachspeise versöhnt!
Mehr von Madrid gibt’s in meinem nächsten Beitrag
Katharina König

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