Meine erste Woche in Madrid

„Where are you from?“ – Diese Frage habe ich dem Burschen, der beim Frühstück an meinem Tisch gesessen ist, gestellt und als Antwort „From Austria“ bekommen. Das war vor einer Woche, als ich mein erstes Frühstück in einem Hostel in Madrid genossen habe. Doch hergekommen bin ich nicht, wie der Student aus Österreich, um einfach mal Urlaub zu machen, sondern um ein Jahr in einer anderen Stadt zu studieren.

Die ersten Tage habe ich im Hostel verbracht, um mir eine Wohnung zu suchen, was gar nicht so einfach war. Um einen Besichtigungstermin zu bekommen musste ich die Vermieter anrufen und mit ihnen Spanisch reden, was mich anfangs einige Überwindung gekostet hat. Viele Wohnungen, die ich gesehen habe, sind sehr klein, dunkel und schmutzig gewesen. Und die Vermieter waren teilweise sehr seltsam und von einem ganz speziellen Spanier muss ich hier unbedingt erzählen: Der Vermieter war ein mittelalter Mann, der aber selbst nicht in der Wohnung wohnt. Es gab vier Zimmer, die alle noch frei waren, also wäre ich in eine leere Wohnung eingezogen, was ich ja gar nicht wollte, da ich mir eine WG mit Spaniern gewünscht habe. Der Mann hat sich nicht einmal Mühe gegeben, mein Spanisch zu verstehen und hat kein Englisch gesprochen. Dann hat er mir ein Blatt mit ausgearbeiteten Regeln vorgelegt, das auf Spanisch war und mich ständig gefragt, ob ich das versteh und ich hab halt ein bisschen länger gebraucht um den Text zu lesen. Naja die Kurzfassung: Jeder Bewohner der Wohnung darf pro Tag höchstens zwei Besucher für maximal drei Stunden haben und das muss VOR Mitternacht sein. Insgesamt dürfen zur gleichen Zeit aber nur fünf Besucher in der Wohnung sein. Diese dürfen sich NUR im Wohnzimmer und nicht in den Schlafzimmern aufhalten. Das Bad muss täglich geputzt werden, die Küche jedes Mal wenn man sie benutzt. Der Kühlschrank muss ein Mal pro Monat komplett ausgeräumt und gesäubert werden..... Dann hab ich gemeint, dass mich meine Schwester besuchen wird und ich möchte, dass sie bei mir schläft und der Vermieter hat gefragt, wo sie denn bitte schlafen soll und ich hab gesagt in meinem Bett und da hat er mich für verrückt gehalten und gemeint, dass das auf keinen Fall geht. Nach diesem „Horrortermin“ habe ich dann aber eine wunderschöne, helle und saubere WG gefunden, in der außer mir noch zwei Spanierinnen wohnen.

Jetzt aber mal zur Stadt Madrid an sich! Natürlich gibt es die „Hauptsehenswürdigkeiten“ wie den „Plaza Mayor“, das Museum „el Prado“ oder „La Puerta del Sol“, aber wenn man weiß, dass man ein Jahr in einer Stadt verbringt, dann muss man nicht wie ein normaler Tourist alles so schnell wie möglich abklappern, hunderte Fotos machen und in eine Touristenfalle nach der anderen treten, sondern kann sich einfach treiben lassen. Also habe ich mich einfach in den Bus gesetzt, der direkt vor meinem Haus wegfährt und habe einiges von Madrid gesehen, was einem bei einer Fahrt mit der Metro naturgemäß entgeht. Unter anderem ist mir ein Geschäft ins Auge gestochen, das bis zur Decke mit Schleckern und Zuckerl gefüllt ist. Natürlich bin ich ausgestiegen und habe Fotos gemacht und mir Mojito-Zuckerl und Melonen-Kaugummi gekauft. Das Geschäft hat mir total gefallen und ich bin dort echt lange gestanden und habe versucht alle Sorten zu lesen und alles zu erfassen. Ich bin jetzt noch fasziniert, wie viele Zuckerl in einen Raum passen!

Kennen gelernt habe ich in „meiner“ neuen Stadt auch schon einige, vor allem junge Menschen. Gleich in den ersten Tagen bin ich im Hostel mit vielen Jugendlichen und Studenten in Kontakt gekommen. Dabei habe ich viel über andere Kulturen gelernt und mich mit einer Indonesierin, die gerade auf einer Europareise ist und in Jakarta als Übersetzerin arbeitet, lange unterhalten. Sie hat mir eine coole Sache erzählt, die ich hier unbedingt erwähnen muss: Sie hat einen chinesischen Onkel und zum chinesischen Neujahrsfest ist es üblich seine Verwandten zu besuchen. Als Frau bekommt man zu diesem Anlass jedes Jahr bis man verheiratet ist einen roten Umschlag mit Geld drinnen. Und je älter man wird, desto mehr Geld befindet sich in dem Kuvert.

Am nächsten Morgen, als ich aufgestanden bin, habe ich auf meiner Tasche eine Postkarte gefunden, auf der sich die Indonesierin für die nette Zeit bedankt hat und mir ihre Mail-Adresse hinterlassen hat. Natürlich habe ich ihr gleich geschrieben und gefragt, wo sie jetzt ist. Ihre Antwort, dass sie schon in Barcelona, ist kam prompt.

Ich habe auch schon ein paar Studenten getroffen, die ebenfalls für ein Jahr in Madrid bleiben werden und für das Wochenende haben wir geplant uns die „Noche en blanco“ anzusehen. Dabei wird es von Samstagabend bis Sonntag Früh in der ganzen Stadt Kunstprojekte im öffentlichen Raum geben aber darüber schreibe ich dann beim nächsten Mal.

Katharina König

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    Ich sitze da, ich kann es 

Kommentare

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hey hört sich ja voll

hey hört sich ja voll interessant an, bin rein zufällig auf deinen beitrag gestoßen, als ich nachsehen wollte wieviel es kostet beim bankomaten in madrid geld abzuheben!
Ich bin nämlich auch gerade in Madrid für ein jahr, allerdings als au-pair und ich gehe in die sprachschule Inhispania, falls du die kennst, die is gleich in der nähe von Sol!
wenn du magst kannst du mich ja bei facebook adden (Daphne Seiwald),
dann könnten wir uns ja über unsere madrid-erlebnisse austauschen! Würd mich freuen : )
liebe grüße und viel spaß in madrid