Gewalt unter Jugendlichen
Immer öfter wird in den Medien von schweren gewalttätigen Übergriffen innerhalb und außerhalb von Schulen berichtet. Schön langsam scheint es, als ob Österreichs Nachwuchs „außer Kontrolle“ geraten würde. Doch werden Jugendliche wirklich gewaltbereiter oder wird einfach nur vermehrt über deren Gewalttaten berichtet? Wie kann man Gewalt verhindern, warum entsteht sie denn überhaupt?
Physische und psychische Gewalt
Laut der Theologin Regula Strobel „schädigt Gewalt die physische, psychische bzw. sexuelle Integrität von Menschen absichtlich und systematisch. [...] Gewalt ist, egal wo sie geschieht, eine Verletzung der Menschenrechte.“Klar ist, dass es neben der körperlichen die psychische Gewalt gibt, wie z.B. Beschimpfungen, Drohungen und Mobbing. Psychische Gewalt entwickelt sich oft versteckt, Grenzen werden vom Täter ausgetestet, und es wird v.a. bei Mobbing selten etwas dagegen unternommen. Da Mobbing meist in den Pausen oder außerhalb der Schule stattfindet, bekommen die Lehrer nichts mit und werden erst durch Mitschüler – wenn überhaupt – aufmerksam gemacht. Doch psychische Gewalt ist keineswegs weniger gefährlich als körperliche. Opfer von dauerhaft wiederholten Übergriffen beider Art können schwere psychosomatische (=in Form von körperlichen Erkrankungen) oder psychische Störungen erleiden. In seltenen Fällen reichen die Auswirkungen bis hin zum Selbstmord, in noch extremeren sogar bis zum Amoklauf (z.B. Amoklauf von Emsdetten in Deutschland im Jahr 2006; der Täter wollte sich für jahrelanges, schwerstes Mobbing rächen).
Opfer-Täter
Die Opfer von dauerhafter Gewalt reden sich oft ein, dass solche Übergriffe „normal“ und „nicht so schlimm“ seien, um sie seelisch auszuhalten. Somit „gewöhnen“ sie sich an regelmäßige Prügel oder Erniedrigungen in den Pausen. Die Auswirkungen werden dadurch jedoch nicht verringert, die Folgen von psychosomatischen bzw. psychischen Störungen können das restliche Leben beeinträchtigen.
Die Täter jedoch sehen sich selbst meist in der Opferrolle – sie sind in ihrer Wahrnehmung beeinträchtigt und meinen, das Opfer sei aufgrund seines „provozierenden“ oder „dummen“ Verhaltens selber schuld. Als Motive gelten auch der Drang nach Selbstbestätigung und Machtdemonstration, welche unter anderem durch persönliche Unsicherheit hergeleitet werden. Wenn der Täter seinen Willen nicht durchsetzen kann, schlägt er/sie öfters auch im Affekt zu. Viele werden durch Gruppenzwang auch zu Mittätern.
Wie entsteht Gewalt?
Vor allem die familiären Verhältnisse sind ausschlaggebend über die Gewaltbereitschaft von Kindern und Jugendlichen. Die Eltern sind die ersten Vorbilder, von denen Kinder über den sozialen Umgang mit Mitmenschen lernen. Bekommen Kinder nicht genügen Wärme und Schutz vermittelt, werden sie nicht von den Eltern akzeptiert oder gar erniedrigt, holen sie sich Selbstwertschätzung oft durch gewalttätiges Verhalten, von Demütigungen anderer bis hin zu Schlägereien.
Auch „Wohlstandsverwahrlosung“, welche in allen Schichten zu finden ist, dürfte jedem ein Begriff sein: Eltern, die den ganzen Tag arbeiten und nur wenig Zeit mit der Erziehung ihrer Kinder verbringen, welche unbeaufsichtigt zu Hause vor dem Computer verkümmern und sich unbeachtet fühlen. Durch fehlende Grenzensetzung, Familienstruktur, und Anleitung durch Eltern überschreiten die Kinder auch in der Schule und im Umgang mit Mitschülern ständig Grenzen.
Die Mitschuld an Gewalt unter Jugendlichen wird auch sogenannten „Killerspielen“ für PCs zugeschrieben. Laut dieser These könnten Jugendliche durch die Computerspiele Gewaltsituationen nicht mehr richtig einschätzen und bekämen eine andere Vorstellung vom Wert eines Menschenlebens. In einigen Ländern wird sogar schon über ein Verbot dieser Spiele diskutiert, doch viele halten ein solches nicht für erforderlich.
Ob Gewalttaten unter Jugendlichen wirklich häufiger als vor ein paar Jahren stattfinden, oder ob einfach nur mehr Fälle angezeigt und in die Medien gebracht werden, bleibt wohl unbeantwortet. Mathilde Zeman, Leiterin der Abteilung Schulpsychologie-Bildungsberatung im Wiener Stadtschulrat, redet zwar nicht von einer Steigerung, jedoch von zunehmender Hemmungslosigkeit bei gewalttätigen Übergriffen. Vor 20 Jahren hätte eine Rauferei geendet, sobald einer der Beteiligten unterlegen war – heute werde auch auf Liegende eingeschlagen.
Vorbeugung
Tatsache ist, das Opfer sowie Täter professionelle Hilfe wie Psychotherapie benötigen, doch soweit soll es gar nicht erst kommen. Der Einsatz von Mediatoren, wie es ihn ab nächstem Jahr an unserer Schule geben wird, und Projekte zur Gewaltprävention müssten an allen Schulen Pflicht werden, um Gewalt sinnvoll zu bekämpfen. Außerdem sollten Lehrer vertrauenswürdige, ausgebildete Ansprechpartner sein, die mit Gewaltsituationen nicht überfordert sind. Die Eltern müssen ihren Teil durch eine angemessene Erziehung ihrer Kinder und ein Geborgenheit vermittelndes Heim leisten. Nur so können Gewalttaten im vorhinein verhindert und Täter sowie Opfer geschützt werden.
MegaCard Scout Giti Said

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