Echtes Leben aus der Urzeit: Triops
Es bedarf nicht viel, sich für diese Lebewesen zu interessieren. Man nehme ein wenig gesunde Neugier, gemischt mit Naturverbundenheit und eine Priese voll Entdeckungsdrang.
Ich als Biologiestudentin besitze all diese Eigenschaften in großen Mengen und genau das war der Auslöser für den Versuch:
Triops Aufzucht!
Nach nur wenigen Tagen zuckten meine ersten Larven durchs Wasser und heute wachsen sie von Tag zu Tag und zeigen ihre Schwimmkünste. Hier „the most interesting things about triops“!
Triops, bei uns eher bekannt als der Urzeitkrebs gilt als die älteste heute lebende Tierart. Namengebend sind seine 3 Augen (tri ops: dreiäugig) vorne am Panzer. Eigentlich haben diese Tierchen keinen richtigen deutschen Namen und wurden in den ersten wissenschaftlichen Beschreibungen als Floßfüßige Seewürmer mit dem Schild oder doppelschwänzige Einaugen bezeichnet.
Die 2 großen Augen bestehen aus vielen winzigen Einzelaugen mit denen sie sich einen groben Umriss ihrer Umgebung machen können. Das dritte, etwas kleinere Auge ist im Inneren des Körpers und dient dazu Helligkeitsunterschiede wahrzunehmen.
Der Wahnsinn ist, dass Triopse schon vor rund 500 Millionen Jahren lebten und eben als einzige Lebewesen auch im wahrsten Sinne des Wortes überlebten. Ihr erster Lebensraum war das Meer, wobei sie dort wegen anderen Lebewesen wie Fischen geringe Überlebenschancen hatte. So passten sie sich an und leben heute nur mehr im Süßwasser (vereinzelt auch Salzseen) in dem keine große Gefahr von Fischen und anderen Feinden ausgeht. Meist treten sie in Pfützen und anderen kurz existierenden Lacken auf, die man astatische Gewässer nennt.
Wegen der kurzen Existenz ihrer Lebensräume, hat sich auch ihre Entwicklung angepasst. Sie entwickeln sich im Eiltempo damit sie ihre Eier vor dem Austrocknen des Tümpels legen können. Direkt nach dem Schlüpfen ähneln sie überhaupt nicht den ausgewachsenen Triopsen. Sie sind sogenannte Naupiluslarven, die ein Auge vorn am Körper und 6 beinchenartige Glieder besitzen. Mit den Gliedmaßen können sie sich zuckend durchs Wasser bewegen und auf ihrem Weg z.B. mikroskopisch kleine Algen verspeisen.
Da ihre Chitinhülle nicht dehnbar ist, müssen sie sich während dem Wachstum öfters häuten. Unter der alten Hülle bildet sich eine neue. Durch heftige Körperbewegungen reißen sie die alte Hülle auf und winden sich heraus. Solange das Chitin der neuen Haut noch weich ist, können die Krebschen wachsen. Nach wenigen Minuten ist aber auch die neue Hülle wieder hart und deshalb häutet sie die Naupiluslarve alle paar Stunden. Später, wenn der Triops seine erwachsene Form erreicht hat, häutet er sich alle 2-3 Tage. Der Vorgang dauert nur wenige Sekunden.
Ein ausgewachsener Triops kann bis zu 11 cm groß werden. Unter seinem Panzer sitz ein Organ, dass den Wasser und Salzhaushalt regelt- vergleichbar mit unserer Niere. Außerdem besitzen sie ein sehr einfach gebautes Herz. Es ist wie ein dicker Schlauch geformt und reicht fast bis zum Ende des Chitinpanzers. Auch Nervenstränge verlaufen im Triopskörper in der Bauchgegend. Ein Gehirn oder Skelett besitzen diese Tierchen jedoch nicht. Sie werden durch eine Außenhülle, ein sogenanntes Außenskelett stabilisiert.

Wenn man den Triops von unten betrachtet, wird die Doppelreihe von Füßchen sichtbar. Im vorderen Teil des Körpers sind sie etwas schmaler und beinartiger geformt. Sie haben auch an den Spitzen krallenartige Fortsätze. Hinten sind sie eher blättchenähnlich. Sie sind dauernd in Bewegung und haben vielerlei Funktionen. Die Triopse können sich mit ihnen fortbewegen oder stehenbleiben und festhalten. Auch der Grund wird immer wieder durchwühlt und wenn die Nahrung finden, wird diese geschickt durch die Mittelrinne zum Mund bewegt.
Zum Atmen benutzen sie interessanterweise auch ihre Blattbeinchen. Der im Wasser gelöste Sauerstoff dringt durch die dünne Chitinhülle der Beinchen in den Körper ein und verbindet sich dort mit dem roten Farbstoff Hämoglobin. Dadurch erscheint auch der Triops manchmal rötlich. Wenn jedoch ein Gewässer in dem sie leben, sauerstoffarm ist, bilden die Tierchen mehr Hämoglobin und werden dadurch kräftig rot. Aufgrund ihrer Fähigkeit mit ihren Beinchen zu atmen, wie Fische mit Kiemen, heißen sie Kiemenfußkrebse.
Ihre Borsten, die links und rechts unter dem Panzer hervorschauen, sind mit Geschmackssinneszellen bedeckt. Mit ihnen können sie die richtige Nahrung herausschmecken und kleinste Wasserbewegungen wahrnehmen. Wahrscheinlich besitzt er auch einige dieser Sinneszellen an seinen Beinchen, die dann eben auch als Nase und Zunge dienen. Hat er ein Insekt erbeutet, so deckt er dieses mit seinem ganzen Körper ab. Die Füßchen greifen die Beute und zerraspeln sie. Durch die Mittelrinne wird sie zum Mund geführt. Vor der Mundöffnung sitzen scharfe, gezähnt Klauen- die Mandibeln. Diese zerkleinern die Nahrung, die in den Verdauungstrakt kommt. Die Reste werden hinten zwischen seinen zwei Schwanzborsten ausgeschieden. Sie sind Allesfresser und Cannibalen.
Ihre Eier sind auch nahezu unverwüstlich. Egal ob Frost oder Hitze, Trockenheit oder luftleerer Raum. Sogar der Darmtrakt von Vögeln kann ihnen nichts anhaben. Somit sichern sie die weite Verbreitung. Sie können mehrere Jahre völlig trocken irgendwo in der Erde liegen und schlüpfen erst dann, wenn wieder Regen fällt. Es wurde auch bekannt, dass die Schlupfrate deutlich besser ist wenn die Eier einmal ausgetrocknet sind. Die Zeit in der sie auf das lebengebende Wasser warten nennt man Diapause. Wobei auch sehr interessant ist, dass nicht immer alle Eier schlüpfen. Manche schlüpfen nach einem Tag und andere brauchen eine mehrfache Befeuchtung bevor sie schlüpfen. Beim einheimischen Triops cancriformis ist das Überdauern von 27 Jahren Trockenheit im Freiland nachgewiesen!
Doch leider sind in Österreich 8 der 16 heimischen Arten gefährdet. Schuld daran ist die intensive Landwirtschaft oder die Regulierung der Flüsse. Das Wasser kann nicht mehr über die Ufer treten und obwohl die Eier irgendwo versteckt liegen, können die kleinen Triopse nicht schlüpfen.
lieben Gruß, Gabi

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